Medien und Informatik im Lehrplan 21

Eine der Neuerungen des Lehrplans 21 ist das Modul «Medien und Informatik». Der Modullehrplan stützt sich auf drei Säulen: Medienbildung (MI.1.1 bis MI.1.4), Informatik (MI.2.1 bis MI.2.3) und Anwendungskompetenzen. Im Vergleich zu anderen Fächern und Fachbereichen weist das Modul «Medien und Informatik» mehrere strukturelle Besonderheiten auf.

  1. Die im Modullehrplan aufgeführten Anwendungskompetenzen müssen in allen Fachbereichen vermittelt und vertieft werden und sind somit nicht die Hauptaufgabe des Unterrichts in Medien und Informatik.
  2. In den Lektionentafeln der Kantone wird der Medien- und Informatikunterricht teilweise sehr unterschiedlich umgesetzt. «connected» ist – einer Empfehlung der D-EDK folgend – auf ein eigenes Zeitgefäss für Medien und Informatik ausgerichtet, das in der 5., 6., 7. und 8. oder 9. Klasse je eine Jahreslektion umfasst.

Ausgangspunkt für die Definition der Kompetenzen und übergreifende Leitidee im Lehrplan 21 ist die Ausrichtung auf Mündigkeit in der digitalen Gesellschaft. Die einzelnen Bereiche umschreibt der Lehrplan 21 wie folgt:

Medien verstehen und verantwortungsvoll nutzen

Schülerinnen und Schüler erwerben ein Verständnis für die Aufgabe und Bedeutung von Medien für Individuen sowie für die Gesellschaft, für Wirtschaft, Politik und Kultur. Sie können sich in einer rasch ändernden, durch Medien und Informatiktechnologien geprägten Welt orientieren, traditionelle und neue Medien und Werkzeuge eigenständig, kritisch und kompetent nutzen und die damit verbundenen Chancen und Risiken einschätzen. Sie kennen Verhaltensregeln und Rechtsgrundlagen für sicheres und sozial verantwortliches Verhalten in und mit Medien.

Grundkonzepte der Informatik verstehen und zur Problemlösung einsetzen

Schülerinnen und Schüler verstehen Grundkonzepte der automatisierten Verarbeitung, Speicherung und Übermittlung von Information; darunter Methoden, Daten zu organisieren und zu strukturieren, auszuwerten und darzustellen. Sie erwerben ein Grundverständnis, wie Abläufe alltagssprachlich, grafisch und darauf aufbauend auch in einer formalisierten Sprache beschrieben werden können, und sie lernen, einfache, auf Informatik bezogene Lösungsstrategien in verschiedenen Lebensbereichen zu nutzen. Dies trägt zum Verständnis der Informationsgesellschaft bei und befähigt, sich an ihr aktiv zu beteiligen.

Erwerb von Anwendungskompetenzen

Schülerinnen und Schüler erwerben grundlegendes Wissen zu Hard- und Software sowie zu digitalen Netzen, das nötig ist, um einen Computer kompetent zu nutzen. Sie erwerben Kompetenzen in der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien für effektives Lernen und Handeln in verschiedenen Fach- und Lebensbereichen, sowohl im Blick auf die Schule als auch auf den Alltag und die spätere Berufsarbeit.

Der Lehrplan 21 steht damit im Einklang mit der sogenannten Dagstuhl-Erklärung zur Bildung in der digitalen Welt vom Februar 2016. Die von Expertinnen und Experten aus der Informatik und der Informatikdidaktik, der Medienpädagogik, der Wirtschaft und der Schulpraxis verfasste Erklärung empfiehlt, dass digitale Medien zwingend aus technologischer, gesellschaftlich-kultureller und anwendungsbezogener Perspektive in den Blick genommen werden.

 

Dagstuhl-Dreieck

Dagstuhl-Dreieck

 

Die drei Perspektiven des Dagstuhl-Dreiecks am Beispiel Bilder

Bilder begleiten uns im Alltag in verschiedensten Formen: als Werbung, in der Zeitung, auf Webseiten, in Social-Media-Kanälen, im Fernsehen und auf Videoplattformen. Bilder lassen sich nach verschiedenen Kriterien kategorisieren, beispielsweise nach der Funktion (etwa informierende, unterhaltende, erklärende Bilder), nach den Motiven oder nach der verwendeten Bildtechnik (etwa Fotografie, Zeichnung, Diagramm, Piktogramm). Eine weitere Kategorisierung stellt die Unterteilung in Abbilder (z.B. Fotografie, Produktabbildung), schematische Bilder (z.B. Karte, Organigramm, Piktogramm) und logische Bilder (z.B. Diagramm, Concept-Map) dar. Das Verständnis für die Bildsprache, die Wirkung von Bildern und das Beschaffen und Bearbeiten von Bildern sind ein zentraler Gegenstand der digitalen Bildung. Dieses Verständnis liefert auch die Grundlage dafür, die Aussagekraft von Bildern zu beurteilen und Bildmanipulationen zu erkennen. Die drei Perspektiven auf das Thema Bilder zeichnen sich durch folgende Fragestellungen aus.

 

Gesellschaftlich-kulturelle Perspektive:

  • Welche Bildtypen gibt es?
  • Was zeichnet gute Bilder aus?
  • Inwieweit geben Bilder die Wirklichkeit wieder?
  • Nach welchen Kriterien werden die besten Pressefotos eines Jahres ausgewählt?
  • Wie manipulieren uns Bilder in der Werbung?
  • Kann ich Bildmanipulationen erkennen?

Technologische Perspektive:

  • Für welche Zwecke eignen sich Pixel- beziehungsweise Vektorgrafiken?
  • Wie werden Bilder codiert?
  • Wie können Bilder komprimiert werden?
  • Was versteht man unter Farbmodellen wie RGB und CMYK?
  • Was ist der Zusammenhang zwischen Auflösung, Bildgrösse und Dateigrösse?
  • Was sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Bildformate?

Anwendungsorientierte Perspektive:

  • Worauf muss ich beim Fotografieren mit meinem Smartphone achten?
  • Welche Einstellungen – z.B. zur Auflösung – sind zweckmässig?
  • Wie kommt ein Bild vom Smartphone auf den Computer?
  • Wie kann ich Bilder zuschneiden, die Bildgrösse und die Auflösung verändern?
  • Wo finde ich ein kostenloses Bildbearbeitungsprogramm?

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